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Ausstellung: Caro Jost – „walk the talk“

Eröffnungswochenende am 13. & 14. Juli 2019 zum Kunstareal-Fest München

Die Konzeptkünstlerin Caro Jost eignet sich fremde Spuren, Materialien oder Erinnerungen an, die sie in autonome Kunstwerke mit sowohl autobiographischer als auch gesellschaftlicher Relevanz transformiert. Von Beginn an sind das Zusammentragen und Archivieren gefundener Objekte wichtige Bestandteile ihrer künstlerischen Strategie. Sowohl inhaltlich als auch formal arbeitet die Künstlerin mit Collagen, in denen sie das vorgefundene Material miteinander kombiniert und mit anderen Techniken ergänzt.
Im Fokus ihrer jahrelangen Recherchen stehen die Wirkungsstätten von Künstlerinnen und Künstlern, die eine besondere Faszination auf Caro Jost ausüben, allen voran die New Yorker Avantgarde der 50er und 60er Jahre um Barnett Newman, Ad Reinhardt und Jackson Pollock. Auf den Spuren der großen Meister bereist sie seit über 15 Jahren systematisch die Welt. Hohen Bekanntheitsgrad erlangte die Künstlerin durch die Entwicklung des Bildtypus „Streetprint“, bei der sie tatsächlich Straßenabdrücke von Schauplätzen mit persönlicher, gesellschaftlicher oder kunsthistorischer Bedeutung nimmt. 2016 entwickelt sie das Konzept dieser Werkgruppe weiter und eignet sich in ihren „Invoice Paintings“ die Originalrechnungen von Materialkäufen dieser Künstler an.
Die Ausstellung „walk the talk“ ist die erste Einzelausstellung von Caro Jost in der Galerie Britta von Rettberg. Schwerpunkt der Ausstellung bilden Arbeiten ihrer neuen Serie „Public Paintings“. Darin bezieht sie sich auf den Sommer 2001 in New York, wo ein Jahr zuvor ihre künstlerische Laufbahn an der Art Students League begann. Gefesselt von dem pulsierenden Leben in der Stadt der Gewinner und Verlierer stellt die Künstlerin ab dem ersten Tag ihr persönliches Material- und Fotoarchiv zusammen. Diese Zeit ist bis heute für ihr Gesamtwerk wegbestimmend.
Während zuvor kunstgeschichtliche Themen im Mittelpunkt ihrer Arbeit standen, legt Caro Jost in ihrer Einzelausstellung den thematischen Fokus auf das öffentliche Leben. Sie greift auf in New York gesammelte Flugblätter für Abendkurse zurück, die sie damals auf den Straßen, in U-Bahnen oder an öffentlichen Plätzen aufgelesen und zusammengetragen hat. Die Künstlerin überträgt die Schrift dieser Flugblätter malerisch auf Leinwand, wobei sie gezielt einzelne Informationen weglässt. Im nächsten Schritt dekonstruiert sie den übertragenen Text, indem sie in einer Camouflage-artigen Übermalung einzelne Wörter verbirgt und andere als Schlagwörter hervorhebt. Dadurch kommentiert Caro Jost den Inhalt der Werbeanzeigen und offenbart eine kritisch-ironische bis humorvolle Haltung gegenüber den Versprechungen, die diese Abendkurse machen. Die kurzen, eingängigen Parolen mit leicht rezipierbaren Slogans und direkter Ansprache sind auf die Alltagssprache der Öffentlichkeit angepasst. Sie spiegeln das gesellschaftliche Klima des Sommers 2001 bis 9/11 in New York wieder. Während Flugblätter immer mehr aus dem Alltag verschwinden, ist der Drang zur Selbstoptimierung, der sich in den Botschaften dieser Kursangebote abzeichnet, vor allem durch die Sozialen Medien heute präsenter als zuvor.
Indem Caro Jost den Text aus seinem ursprünglichen Kontext löst, werden aus alten Dokumenten, die damals in höchster Auflage gedruckt und massenhaft verbreitet wurden, zeitgenössische Unikate. Dabei macht sie sich nicht nur die Ästhetik und Sprache der Werbung als künstlerisches Material zu eigen, sondern verleibt sich auch den Zeitgeist ein, der diesen Gegenständen anhaftet. Durch das archivarische Vorgehen und die künstlerische Aneignung fremder Materialien kann die Kunst von Caro Jost in die Nähe der Appropriation Art angesiedelt werden.
Die unterschiedlichen Botschaften ihrer „Public Paintings“ verbinden sich in der Ausstellung „walk the talk“ zu einem Panorama aus Selbst- und Außenwahrnehmung. Auch in der Installation der Ausstellung greift die Künstlerin das Thema der Selbstreflexion durch eine 1,80 hohe auf 2,50 Meter breite Spiegelarbeit auf, die die gesamte Wand eines Ausstellungsraumes einnimmt. Darin spiegeln sich nicht nur der gegenüberliegende Ausstellungsraum und der Galeriebesucher wieder, sondern auch die Straße außerhalb, wodurch ein Bezug zum öffentlichen Raum hergestellt wird. Begleitend dazu zeigt die Künstlerin Fotografien von 2001, in denen sie ihre Eindrücke in New York mit einer Digitalkamera festhielt. Diese Aufnahmen wurden von dort aus auf zwei freistehende Bildschirme projiziert, die sich an zwei öffentlichen Terminals am Münchner Flughafen befanden. Mit dieser damals noch ungewöhnlichen Internet-Kommunikation ließ sie die Reisenden an ihren Erlebnissen in der weit entfernten Millionenstadt teilhaben.

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